Jetzt stehst du in der Garage – mein Rennrad

Persönlicher Essay · Aufzeichnungen in Antalya · August 2026

Jetzt stehst du in der Garage. Mein Rennrad.

Ein wenig eingestaubt, seit sehr langer Zeit nicht mehr bewegt. Aus den Reifen ist längst die Luft entwichen. Und manchmal, wenn ich an dir vorbeigehe, denke ich an eine Zeit zurück, in der du mich durch beinahe meine besten Jahre begleitet hast.

Ich war 24 Jahre alt, als ich mit dem Rennradfahren begann. Auf diesen Sport aufmerksam wurde ich während meiner beruflichen Zeit in Luxemburg. Ein damaliger Kollege, ein Niederländer, hatte mir sein altes Rennrad ausgeliehen. Vorher hatte er mich immer wieder dazu überreden wollen, mitzufahren.

„Jong, Jong, fährst du mit uns? Macht dir bestimmt Spaß! Du weißt doch, wir Holländer machen immer Spaß!“

So ungefähr klang das damals mit seinem unverwechselbaren niederländischen Akzent. Irgendwann ließ ich mich überreden. Und was soll ich sagen? Es hatte mich innerhalb kürzester Zeit vollständig gepackt.

Dabei war ich anfangs alles andere als ein guter Rennradfahrer. Sportlich war ich allerdings schon vorher gewesen. Ich hatte viel trainiert, war kräftig gebaut und hatte starke Beine. Besonders Kniebeugen gehörten zu meinen Stärken. An der reinen Muskelkraft mangelte es mir also nicht. Was mir fehlte, waren die Kondition, das richtige Körpergewicht und vor allem die Fähigkeit, über Stunden hinweg Kraft auf die Pedale zu bringen. Denn die Kraft aus dem Bodybuilding war eine ganz andere. Dort ging es um kurze, intensive Belastungen, um Gewichte und den sogenannten Pump. Auf dem Rennrad musste ich lernen, meine Kraft über viele Stunden einzuteilen. Das war eine völlig andere Welt.

Damals wog ich ungefähr 90 Kilogramm. Für das Rennradfahren, insbesondere für längere Anstiege, war das einfach zu viel. Im Laufe meiner aktiven Rennradzeit reduzierte ich mein Gewicht auf unter 80 Kilogramm. In den ersten Wochen war ich trotzdem unterwegs wie ein Rentner. Jeder Anstieg wurde zur Herausforderung, jede längere Strecke zur Geduldsprobe. Heute wiege ich übrigens ungefähr 115 Kilogramm. Wenn ich daran denke, mit welchem Gewicht ich damals die Berge hochgefahren bin, wird mir erst bewusst, wie sehr sich die Zeiten verändert haben.

Aber ich wollte besser werden. Mit der Zeit wurden die Strecken länger, die Lunge leistungsfähiger, die Atmung ruhiger und mein Puls zunehmend kontrollierbarer. Was mir anfangs unmöglich erschien, wurde irgendwann selbstverständlich.

Schließlich kaufte ich mir mein erstes eigenes Rennrad. Bei Zweirad Burckhardt in Mörlenbach. Warum ausgerechnet dort, weiß ich heute nicht mehr. Aber von diesem Zeitpunkt an bezog ich praktisch meine gesamte Ausrüstung über dieses Geschäft.

Das Rennradfahren wurde zu einem festen Bestandteil meines Lebens. Ich hatte mein Rad fast immer dabei, genauer gesagt im Kofferraum meines damaligen Golf Kombi. Nach der Arbeit konnte ich unmittelbar losfahren. Während andere nach Hause gingen, zog ich mich in der Tiefgarage meines Arbeitgebers oder auf einem Parkplatz um, holte mein Rennrad aus dem Auto und war unterwegs.

Kilometer habe ich damals nie bewusst gezählt. Erst vor Kurzem stand ich wieder einmal in der Garage. Mein Sohn hatte mir erzählt, dass er gerne einmal mit dem Rennrad fahren würde. Also begann ich, das alte Rad wieder herzurichten. Dabei fiel mir auch der alte Garmin-Tacho auf, dieser kleine digitale Fahrradcomputer am Lenker. Natürlich war die Batterie längst leer. Ich wechselte sie aus, weil ich wissen wollte, ob das Gerät überhaupt noch funktionierte. Ich drückte auf ein paar Knöpfe, und tatsächlich sprang es wieder an. Und plötzlich sah ich die gespeicherten Kilometer aus meiner damaligen Rennradzeit.

In einem meiner intensivsten Rennradjahre legte ich rund 24.400 Kilometer zurück. Ich musste einen Moment lang auf diese Zahl schauen. Das waren wirklich verrückte Zeiten auf dem Rennrad. Später wurde es weniger. Die beruflichen Verpflichtungen nahmen zu, und für diese gewaltigen Trainingsumfänge blieb irgendwann keine Zeit mehr.

Aber hinter jedem einzelnen Kilometer steckte ein Stück meines Lebens.

Um den Anschluss an meine damalige Trainingsgruppe zu finden, hatte ich mir sogar eine besondere Übung angewöhnt. Ich fuhr meine Standardstrecke zwischen Germersheim und Leimersheim, hin und zurück, im Stehen. Nicht nur ein paar Hundert Meter. Die ganze Strecke. Bei jedem Wetter! Ich wollte kräftiger werden, ausdauernder und vor allem mit den anderen mithalten können.

Ich bin bei schönstem Sonnenschein gefahren, bei Wind, bei Regen und sogar im Winter. Am liebsten hatte ich tatsächlich Gegenwind. Während andere Radfahrer den Wind lieber im Rücken hatten, sah ich darin eine zusätzliche Herausforderung. Mehr Widerstand, mehr Anstrengung, mehr Training.

Ich erinnere mich an Fahrten durch die Rheinaue bis nach Frankreich, genauer gesagt nach Lauterbourg, dem kleinen französischen Grenzort. Nicht zu verwechseln mit Luxemburg, wo meine Begeisterung für das Rennradfahren ursprünglich begonnen hatte. Es war bitterkalt. Ich trug Überschuhe, und trotzdem waren meine Füße irgendwann regelrecht eingefroren. Heute frage ich mich manchmal, weshalb ich mir das überhaupt angetan habe. Damals stellte ich mir diese Frage kaum. Mein Ehrgeiz war stärker.

Wobei ich mich heute manchmal frage, ob ich überhaupt noch ein ehrgeiziger Mensch bin. Oder ob sich meine Perspektiven im Laufe des Lebens einfach verändert haben. Vielleicht ist der Ehrgeiz nicht verschwunden. Vielleicht richtet er sich heute nur auf andere Dinge. Damals jedenfalls bin ich gefahren wie ein Verrückter.

Besonders geprägt haben mich die Menschen, mit denen ich unterwegs war. Zu meiner damaligen Gruppe gehörten ein Ungar, drei Niederländer und zwei Amerikaner. Diese Leute waren körperlich in einer ganz anderen Liga. Anfangs waren sie einfach weg. Man fuhr los, versuchte dranzubleiben, und nach kurzer Zeit merkte man, dass die eigene Kraft nicht ausreichte. Das wollte ich natürlich nicht auf mir sitzen lassen.

Also trainierte ich. Immer wieder. Woche für Woche. Und irgendwann war ich tatsächlich so weit. Ich konnte mithalten. Ich fuhr im Windschatten der Gruppe, hielt das Tempo und gehörte endlich richtig dazu. Ich weiß noch, wie glücklich ich damals war. Denn von diesem Zeitpunkt an hatte ich das Gefühl, von den anderen als gleichwertiger Fahrer respektiert zu werden.

Was ich allerdings nicht vergessen möchte, ist die Fairness dieser Gemeinschaft. Diese Männer waren nicht nur unglaublich fit. Sie waren auch ausgesprochen kameradschaftlich. Sie nahmen Rücksicht auf mich, gerade am Anfang. Wenn ich zurückfiel, wurde ich nicht einfach zurückgelassen. Man nahm mich wieder mit, ließ mich im Windschatten fahren, gab mir Tipps und feuerte mich an. Sie halfen mir, besser zu werden. Natürlich musste ich die Leistung selbst erbringen. Aber ohne diese Gemeinschaft wäre ich vermutlich nicht so weit gekommen. Es war ein besonderer Zusammenhalt, den ich damals erlebt habe. Und manchmal, wenn ich heute daran zurückdenke, vermisse ich genau das sehr.

Ich beneide jeden Menschen, der die Möglichkeit hat, seinen Sport zum Beruf zu machen. Denn ich weiß aus eigener Erfahrung, wie erfüllend es sein kann, sich einer sportlichen Leidenschaft mit voller Hingabe zu widmen. Manchmal denke ich, ich hätte einfach viel früher mit dem Rennradfahren anfangen müssen. Der Gedanke, daraus einen Beruf zu machen, war jedenfalls verlockend. Den ganzen Tag trainieren, Rennen fahren, sich mit anderen messen. Aus einer Leidenschaft einen Beruf machen.

Aber irgendwann musste ich mir selbst gegenüber ehrlich sein. Ich war für einen ernsthaften Einstieg in den professionellen Radsport bereits relativ alt. Ich verdiente in meinem damaligen Beruf gutes Geld, und vor allem hatte ich noch keine sportlichen Erfolge vorzuweisen. Ich hatte zwar eine enorme Entwicklung hinter mir, aber im Leistungssport stand ich eigentlich noch ganz am Anfang. Also entschied ich mich für meinen Beruf. Ob das die richtige Entscheidung war? Wirtschaftlich sicherlich. Sportlich werde ich es nie erfahren.

An einen meiner damaligen Bekannten erinnere ich mich besonders gerne. Er hieß Levente, war Ungar, und leider habe ich seinen Nachnamen vergessen. Levente war eine ganz besondere Nummer. Dieser Mann fuhr täglich mit dem Rennrad von Echternacherbrück nach Luxemburg zur Arbeit. Er hatte allerdings einen entscheidenden Vorteil: An seinem Arbeitsplatz konnte er duschen, und seinen Anzug bewahrte er im Büro auf. So konnte er morgens mit dem Rennrad zur Arbeit fahren und anschließend ganz normal seinem Beruf nachgehen.

Sein vermeintlicher Nachteil war sein Fahrrad. Es war alt. Wirklich alt. Wer ihn und sein Rad zum ersten Mal sah, hätte vermutlich nicht viel von ihm erwartet. Aber wehe, man unterschätzte Levente. Dieser Mann hatte eine unglaubliche Kraft und Ausdauer. Mit seinem alten Fahrrad konnte er einem davonfahren, als wäre man ein Anfänger. Levente war für mich der lebende Beweis dafür, dass nicht das teuerste Material über die Leistung entscheidet, sondern der Mensch, der darauf sitzt.

Später, als ich beruflich mehr Verantwortung übernahm, blieb für den Sport immer weniger Zeit. Aus den regelmäßigen Fahrten nach Feierabend wurden schließlich überwiegend Wochenendtouren. Besonders gerne trainierte ich damals in der Gegend um Edenkoben, vor allem an der Lolosruhe, einem Anstieg von rund 9,2 Kilometern mit ungefähr 431 Höhenmetern, rund um den Totenkopf und durch die Berge des Pfälzerwaldes.

Ich mochte die langen Anstiege. Das gleichmäßige Treten, den Rhythmus und die Konzentration auf den eigenen Körper. Ich würde rückblickend sagen, dass ich sowohl auf flachen Strecken als auch in den Bergen ziemlich ausgeglichen und gut unterwegs war. Natürlich gab es Fahrer, die schneller waren. Aber ich hatte ein Niveau erreicht, mit dem ich zufrieden sein konnte.

Was mich allerdings immer wieder vor Probleme stellte, war meine Ernährung. Wer längere Strecken mit dem Rennrad fährt, weiß, wie wichtig es ist, dem Körper vorher und unterwegs genügend Energie zuzuführen. Das klingt einfach. Für mich war es das nicht. Entweder hatte ich vor einer Tour zu wenig gegessen oder zu viel. Und beides konnte unangenehme Folgen haben.

An eine bestimmte Fahrt erinnere ich mich bis heute besonders deutlich. Ich hatte offenbar vor dem Training viel zu viel gegessen. Wahrscheinlich war ich schlicht mit vollem Bauch losgefahren. Vielleicht sogar richtig vollgefressen. Ich weiß es nicht mehr. Schon nach wenigen Minuten merkte ich, dass etwas nicht stimmte. Mein Körper wollte nicht so, wie ich wollte. Die Beine waren schwer, mein Rhythmus fehlte, und ich hatte das Gefühl, mein eigener Motor würde stottern.

Normalerweise brauchte ich eine gewisse Zeit, bis ich richtig in Fahrt kam. Aber an diesem Tag wurde es nicht besser. Im Gegenteil. Ich hatte zunehmend Probleme, überhaupt weiterzufahren. Schließlich blieb mir nichts anderes übrig, als anzuhalten und vom Rennrad abzusteigen. Und dann musste ich mich übergeben. Ich hasse es, mich zu übergeben. Schon immer.

Aber was danach geschah, werde ich nie vergessen. Es war, als hätte jemand einen Schalter umgelegt. Der Druck war weg. Die Übelkeit verschwand. Plötzlich fühlte ich mich beinahe wie neu geboren. Ich spülte mir mit Wasser den Mund aus, stand einen Moment neben meinem Rennrad und überlegte, was ich jetzt machen sollte. Die vernünftige Entscheidung wäre vermutlich gewesen, die Tour abzubrechen und nach Hause zu fahren. Aber Vernunft und Ehrgeiz waren damals nicht immer die besten Freunde. Also stieg ich wieder aufs Rad. Ich fuhr weiter.

Nicht, weil ich irgendjemandem etwas beweisen musste. Ich war schließlich ganz alleine unterwegs. Es war vielmehr dieser innere Drang, einfach weiterzufahren, selbst wenn der Körper längst signalisiert hatte, dass etwas nicht stimmte. Und vielleicht war genau das einer der Gründe, weshalb mich dieser Sport so faszinierte.

Auf dem Rennrad gab es keine Ausreden. Wenn ein Berg vor dir lag, musstest du ihn selbst hinauffahren. Niemand konnte dir die Anstrengung abnehmen. Besonders eindrucksvoll war für mich immer das, was während langer Anstiege im eigenen Kopf passierte. Ich erinnere mich an Situationen, in denen mein Pulsmesser mindestens 180 Schläge pro Minute anzeigte. Gerade in den ersten Jahren lag mein Puls bei starker Belastung teilweise noch höher. Später wurde ich trainierter und konnte meine Kräfte besser einteilen.

Aber es gab diesen einen Punkt, meistens irgendwo in der Nähe des Gipfels, an dem nicht mehr nur die Beine arbeiteten. Dann begann der Kopf. Und plötzlich führte ich Selbstgespräche. Eine Stimme sagte: Hör doch auf. Mach eine Pause. Warum tust du dir das eigentlich an? Du kannst doch einfach absteigen. Und die andere Stimme? Die sagte eigentlich gar nichts. Ich fuhr einfach weiter. Nein. Nein. Weiter. Nicht aufhören.

Manchmal denke ich heute, dass genau das der Punkt gewesen sein könnte, an dem ich es maßlos übertrieben habe. So bringen sich Menschen vermutlich an ihre körperlichen Grenzen, ohne rechtzeitig zu erkennen, wann sie besser aufhören sollten. Damals war mir das ziemlich egal. Der Berg musste zu Ende gefahren werden. Wenn ich heute daran zurückdenke, frage ich mich manchmal, wie sehr ich mich damals selbst herausgefordert habe. Nicht für ein paar Minuten, sondern über Stunden.

Und dann gab es noch eine andere Erfahrung, die ich bis heute nicht vergessen habe. Den Hunger. Es kam vor, dass ich gegen Ende einer langen Tour sämtliche Vorräte aufgebraucht hatte. Kein Wasser mehr, nichts zu essen, manchmal nicht einmal Geld dabei. Und plötzlich meldete sich der Hunger. Nicht dieser gewöhnliche Hunger, den man verspürt, wenn das Mittagessen etwas später ausfällt. Sondern ein Hunger, der sich beinahe unerträglich anfühlte.

So schlimm es sich anhören mag: In solchen Momenten hatte ich manchmal das Gefühl, ich könnte sogar ein totes Wildtier am Straßenrand verschlingen. Natürlich hätte ich das nicht getan. Aber so extrem empfand ich diesen Hunger damals. Besonders unangenehm war, dass ich mich meistens schon auf den letzten Kilometern befand. Die eigentliche Tour war fast geschafft, die Kräfte waren aufgebraucht, und nun musste ich auch noch langsam nach Hause fahren.

Denn meine niederländischen Freunde hatten mir immer wieder eingeschärft, die letzten Kilometer ruhig ausrollen zu lassen. Ich höre einen von ihnen heute noch: „Jonge, Jonge, fahr die letzte Strecke langsam, lass dein Puls rundderkommen, sonst machst du deine Herz kaputtt!“ Diese Mischung aus Kameradschaft, Fürsorge und niederländischer Direktheit war einfach herrlich. Und so fuhr ich die letzten Kilometer manchmal völlig erschöpft, hungrig und mit leerem Magen nach Hause.

Wenn ich heute daran zurückdenke, muss ich gelegentlich den Kopf schütteln. Was habe ich mir damals alles zugemutet. Stundenlange Touren. Kälte. Erschöpfung. Schwere Beine. Berge, die einfach nicht enden wollten. Trikots, die nach einer langen Fahrt vom Schweiß regelrecht versalzen waren. Und Nächte, in denen ich trotz völliger körperlicher Erschöpfung nicht schlafen konnte, weil meine Beine noch immer unter Strom zu stehen schienen.

Damals gehörte das alles irgendwie dazu. Ich dachte nicht besonders lange darüber nach. Am nächsten Tag ging das Leben weiter. Und sobald sich die Gelegenheit bot, saß ich wieder auf dem Rennrad.

Mit den Jahren veränderte sich mein Leben. Die berufliche Verantwortung nahm zu. Andere Verpflichtungen kamen hinzu. Die Zeit wurde knapper. Was früher ein selbstverständlicher Teil meines Alltags gewesen war, rückte immer weiter in den Hintergrund.

Irgendwann stand das Rennrad im Keller. Später in der Garage. Abgeben konnte ich es nie. Dafür hängen einfach zu viele Erinnerungen daran. Es steht noch immer dort.

Und erst letzte Woche gab es einen Moment, der mich besonders nachdenklich gemacht hat. Mein ältester Sohn wollte mit meinem Rennrad fahren. Also holte ich es hervor, wechselte den Schlauch und machte es wieder fahrbereit. Er hatte sogar mein altes US-Postal-Trikot angezogen.

Während ich am Rad arbeitete, erzählte ich ihm ein wenig von meiner damaligen Zeit. Von den langen Touren, den Trainingsfahrten und davon, wie viel mir dieser Sport einmal bedeutet hatte. Ich ermunterte ihn, selbst zu fahren. Ob er denselben Ehrgeiz entwickeln wird, den ich damals hatte? Keine Ahnung. Vielleicht ja, vielleicht auch nicht. Das muss er selbst herausfinden.

Natürlich konnte ich es mir nicht verkneifen, ihm gleich ein paar praktische Ratschläge mitzugeben. Ich erzählte ihm, was für eine Scheiße es sein kann, mitten im Winter einen platten Reifen zu haben. Da stehst du irgendwo in der Kälte, ziehst deine Handschuhe aus und versuchst mit halb eingefrorenen Fingern, den Reifen von der Felge zu bekommen und den Schlauch zu wechseln. Eine herrliche Beschäftigung, wenn du ohnehin schon völlig durchgefroren bist.

Und ich erklärte ihm, dass er immer einen Ersatzschlauch dabeihaben sollte. Nicht lange herumflicken. Alten Schlauch raus, neuen rein und weiterfahren. Denn wenn du keinen Ersatz dabei hast, stehst du irgendwo mitten in der Pampa und kannst dein Rennrad kilometerweit nach Hause schieben. Und darauf, dass dich jemand mit dem Auto abholt, solltest du dich besser auch nicht verlassen.

Während ich ihm das alles erzählte, kamen viele Erinnerungen zurück. Dinge, über die ich seit Jahren nicht mehr nachgedacht hatte. Ich weiß nicht, ob mein Sohn jemals denselben Ehrgeiz entwickeln wird, den ich damals hatte. Vielleicht entdeckt er seine eigene Begeisterung für diesen Sport. Vielleicht auch nicht.

Aber allein die Tatsache, dass er mein altes Rennrad und mein US-Postal-Trikot benutzt, bedeutet mir etwas. Vielleicht ist es genau das, was bestimmte Gegenstände im Laufe eines Lebens so wertvoll macht. Nicht ihr materieller Wert. Sondern die Erinnerungen, die wir mit ihnen verbinden.

Heute stehst du wieder in der Garage. Und ich denke an all die Kilometer, die Anstrengungen, die verrückten Erlebnisse und die Jahre, in denen du ein fester Bestandteil meines Lebens warst.

Was waren das für krasse Zeiten.